Made in Germany in der deutschen Fahrzeugproduktion – Herkunft, Wandel und Bedeutung

25. Februar 2026

Made in Germany in der deutschen Fahrzeugproduktion – Herkunft, Wandel und Bedeutung


Der Begriff „Made in Germany“ entstand nicht in Deutschland, sondern im Vereinigten Königreich. Mit dem Merchandise Marks Act von 1887 verpflichtete Großbritannien ausländische Hersteller dazu, ihre Produkte eindeutig zu kennzeichnen. Ziel war es, britische Verbraucher vor vermeintlich minderwertigen Importwaren zu schützen – insbesondere vor deutschen Industrieerzeugnissen.


Ironischerweise entwickelte sich diese Kennzeichnung im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem weltweiten Qualitätssiegel. Deutsche Industrieprodukte, insbesondere aus Maschinenbau, Elektrotechnik und später der Automobilproduktion, gewannen international stark an Reputation.


„Made in Germany“ wurde zum Synonym für:


  • technische Präzision

  • Ingenieurskunst

  • industrielle Fertigungsqualität

  • Zuverlässigkeit


Heute ist der Begriff global etabliert – juristisch jedoch kein eigenständiges Gütesiegel, sondern eine geografische Herkunftsangabe, deren Verwendung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist.


Wann gilt ein Fahrzeug als „Made in Germany“?


Entscheidend ist die sogenannte wesentliche Wertschöpfung. Maßgeblich ist nicht, wo einzelne Komponenten produziert wurden, sondern wo die prägende Herstellung, Integration oder letzte wesentliche Bearbeitung erfolgt.


Der Bundesgerichtshof stellte bereits 1973 klar, dass ein deutsches Erzeugnis regelmäßig so verstanden wird, dass die wertprägenden Eigenschaften auf einer deutschen Leistung beruhen.


Eine bloße Endmontage oder reine Qualitätskontrolle in Deutschland reicht in der Regel nicht aus, um ein Produkt rechtmäßig als „Made in Germany“ zu kennzeichnen.

Gerade in der Fahrzeugproduktion ist diese Abgrenzung anspruchsvoll.


Globale Wertschöpfung in der modernen Fahrzeugproduktion


Die Automobilindustrie hat sich in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Fahrzeuge bestehen heute aus mehreren tausend Komponenten, die weltweit gefertigt werden.


Typische internationale Wertschöpfungsstrukturen:


  • Elektronik aus Asien

  • Batteriezellen aus China, Südkorea oder Europa

  • mechanische Komponenten aus Osteuropa

  • Softwareentwicklung global verteilt


Selbst bei traditionellen deutschen Automobilherstellern sind Entwicklungs-, Produktions- und Montageprozesse international verzahnt.


Ein Fahrzeug kann heute:


  • in Deutschland entwickelt,

  • in einem anderen EU-Land montiert und

  • mit weltweit beschafften Komponenten ausgestattet sein.


Damit wird die Frage nach der Herkunft komplexer als je zuvor.


Elektromobilität verändert die Definition von Herkunft


Mit dem Aufstieg der Elektromobilität verschieben sich Wertschöpfungsschwerpunkte zusätzlich.


Batterietechnologie, Softwareintegration und Plattformarchitekturen spielen eine zentrale Rolle. Die klassische Motorenfertigung verliert an Bedeutung, während Systemintegration, Energiemanagement und elektronische Steuerung wertprägend werden.


„Made in Germany“ bedeutet im Kontext moderner Elektromobilität daher zunehmend:


  • Entwicklungsleistung

  • Systemintegration

  • technische Umsetzung

  • Qualitätsmanagement

  • Endabnahme


Nicht die vollständige Produktion an einem Ort ist entscheidend, sondern die wertschöpfende Integrationsleistung.


Transparenz wird zum Wettbewerbsfaktor


Für Kunden bleibt die Herkunft ein relevantes Qualitätsmerkmal. Gleichzeitig wissen professionelle Käufer heute, dass moderne Fahrzeuge in internationalen Netzwerken entstehen.


Deshalb gewinnt Transparenz an Bedeutung:


  • Wo findet die Integration statt?

  • Wo entsteht der technische Mehrwert?

  • Wer trägt die Verantwortung für Qualität und Umsetzung?


Gerade im Nutzfahrzeugbereich spielt diese Offenheit eine wichtige Rolle.


Fazit: Made in Germany ist komplexer geworden


„Made in Germany“ steht weiterhin für Qualität und technische Kompetenz. In der heutigen Fahrzeugproduktion ist der Begriff jedoch differenzierter zu betrachten.


Entscheidend ist nicht die vollständige nationale Fertigung, sondern wo die wertprägenden Eigenschaften entstehen.


Im nächsten Artikel zeigen wir, wie ARI Motors diese Realität transparent umsetzt und warum wir bewusst von nicht von Made in Germany, sondern von Make in Germany sprechen.