Ist die BAFA-Förderung staatlich subventionierter Klimabetrug?

Mit der erhöhten “Umweltprämie” der BAFA haben sich auch die Zulassungen im Bereich der Elektromobilität erhöht. Wie das Kraftfahrtbundesamt (KBA) berichtet, waren von den insgesamt 265.227 neu zugelassenen Fahrzeugen im September 2020 immerhin 75.224 Einheiten reine Elektrofahrzeuge, Hybride oder PlugIn-Hybride. Das ist ein Anteil von 28,63%, also mehr als ein Viertel. Im September 2019 lag der Anteil bei gerade mal 10,15%.

Trotzdem sind die Zahlen weniger positiv, wenn man sie etwas genauer betrachtet. Rein elektrisch betriebene Fahrzeuge haben zwar einen Gesamtanteil von 8,0% (21.188 Neuzulassungen), was einen Anstieg zum Vorjahresmonat von 260,3% bedeutet, die großen Gewinner sind aber die PlugIn-Hybride. Diese erreichen mit 20.127 Neuzulassungen eine Steigerung von beeindruckenden 463,5% gegenüber September 2019.

2,5 Tonnen Hybrid-Diesel werden gefördert, rein elektrische Leichtfahrzeuge nicht

Ob diese Fahrzeuge von vielen Besitzern auch wirklich zu weiten Teilen elektrisch gefahren werden, ist fraglich. Gerade außerhalb der Stadt dürfte oft auf den Verbrennermotor zurückgegriffen werden. Wirklich bedenklich ist hingegen, dass ein Großteil dieser Fahrzeuge auch noch schwere SUVs sind, deren Elektromotor laut Grünen-Politiker Cem Özdemir vor allem zur “Startbeschleunigung an der Ampel” genutzt wird.

So hilft die Bundesregierung mit der “Umweltprämie” auch schweren und riesigen SUVs mit einem Leergewichten von mehr als 2,5 Tonnen. Seit Juli kann man sich solche Fahrzeuge mit PlugIn-Funktion mit 6.750 Euro bezuschussen lassen. Laut der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” führt das zu immer länger werdenden Lieferzeiten für Modelle dieser Größe. Wenn man bedenkt, dass gleichzeitig rein elektrisch fahrende Leichtfahrzeuge überhaupt nicht in die BAFA-Förderung fallen, fragt man sich, was diese Prämie noch mit Umweltschutz zu tun hat.

Wie so oft sind ist die Partei der Grünen, die das Problem offen angeht. So spricht Cem Özdemir von einem “staatlich subventioniertem Klimabetrug”. Aber auch die FDP mischt sich in die Debatte ein und fordert laut Verkehrspolitiker Oliver Luksic eine Kontrolle, wie häufig der Akku der PlugIn-Hybride überhaupt genutzt werde.

Vorbild Österreich: PlugIns erhalten geringere Förderung

Im Nachbarland Österreich sieht das Ganze etwas anders aus. Das Umwelt- und Verkehrsministerium hat bekannt gegeben, dass seit Beginn der E-Förderung rund 11.800 Anträge verzeichnet wurden. Davon bezogen sich ganze 7.800 Anträge (also 66,1%) auf rein elektrisch betrieben Fahrzeuge und gerade einmal cirka 1.100 (9,3%) auf PlugIn-Hybride. Ein Grund dafür könnte sein, dass in Österreich PlugIn-Hybride nur mit 2.500 Euro gefördert werden, also mehr als 4.000 Euro weniger als hierzulande. Für rein elektrisch betriebene Fahrzeuge gibt es in Österreich hingegen 5.000 Euro Förderung.

An sich gerät die Förderung der PlugIn-Hybride schon seit Jahren unter Beschuss, trotzdem hält die Bundesregierung daran fest. Der Grund scheint hier aber ganz einfach zu sein: Deutsche Hersteller wie Mercedes-Benz und Audi haben einige große SUVs als PlugIn-Hybrid im Angebot. Rein elektrisch betriebene Leichtfahrzeuge, die weniger Platz verbrauchen und kein einziges Gramm CO2 ausstossen, sucht man hingegen vergeblich im Katalog der deutschen Autoindustrie. „Industrieprämie“ wäre also der passendere Begriff für die BAFA-Förderung.

Auf Bundesebene herrscht Doppelmoral

Es bleibt zu hoffen, dass endlich eine bundesweite Förderung von wirklich allen 100% elektrischen Fahrzeugen folgt, egal ob groß oder klein. Dies ist in vielen anderen Ländern der Fall und es ist schlichtweg nicht zu begründen, warum schwere PlugIn-Hybride hierzulande eine Förderung bekommen, leichte Elektrofahrzeuge hingegen nicht. Stattdessen ist Deutschland in Sachen Förderung ein Flickenteppich, in denen fortschrittlichere Bundesländer wie Berlin, Thüringen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen die leichten Klassen fördern, auf Bundesebene hingegen Doppelmoral herrscht.

Sollten Sie sich für 100% elektrische Fahrzeuge interessieren, geben wir Ihnen hier einen Gesamtüberblick über alle möglichen Fördermöglichkeiten von ARI Motors Elektrofahrzeugen in Österreich sowie den einzelnen deutschen Ländern und Kommunen.